Kambodscha

Hallöchen alle miteinander!

ich bring jetzt zwar die chronologische Reihenfolge etwas durcheinander, aber ich schreib euch jetzt über das, was ich dieses Wochenende so erlebt hab. Mein Gehirn ist heute nicht mehr in der Lage sich an das, was ich vor ein paar Wochen gemacht hab, zu erinnern...

Aber mein Gedächtnis reicht noch gut bis Donnerstag zurück. Da haben ich und Marina, meine Backpacker-Trip-Gefährtin (jetzt wisst ihr warum ich immer "wir" schreib) spontan beschlossen, übers Wochenende nach Kambodscha zu reisen. Wir mussten sowieso über die Grenze, da unser Visum alle drei Monate "erneuert" werden muss (unfassbar, bin ich schon drei Monate hier???) und wir dachten: warum nicht die Gelegenheit nutzen, um das nahe gelegene Angkor Wat anzuschauen!

Wir konnten das Angebot von Bosch für einen Visa-Run nutzen und schon am Freitag morgen in einem Company Car nach Aranyaprathet an der Grenze fahren. Normalerweise holt man sich bei einem Visa-Run schnell einen Stempel in den Pass und fährt wieder, aber unsere Chefs waren einverstanden, dass wir den restlichen Tag frei nehmen, um unseren Trip zu starten. Da wir nur sehr wenig Zeit hatten, musste alles gut geplant sein. Wir mussten von der Grenze irgendwie nach Siem Reap kommen, die Stadt, die bei Angkor Wat liegt. Aber wie?? Deshalb haben wir das Internet im Vorfeld durchforstet und sind auf Reiseberichte gestoßen, die uns ehrlich gesagt an unserem Vorhaben zweifeln ließen. Über fürchterliche Abzocke von falschen Beamten am Grenzübergang und Horrorgeschichten von 11-stündigen Busfahrten auf einer staubigen, mit Schlaglöchern übersähten Staub- bzw. Schlammstraße (je nach Wetter) wurde berichtet. Wir waren auf das Schlimmste vorbereitet.

Nach einer entspannten Fahrt im Company Car sind wir dann am späten Vormittag an der Grenze angekommen. Unser Fahrer, ein thailändischer Kollege, mit dem ich bei der Arbeit ab und zu mal ein Schwätzchen halte, hat uns freundlicherweise bis zum thailändischen Grebzübergang geführt. Ab da waren wir dann auf uns allein gestellt. Nach einem oberflächlichen und unnützen Health Check und tausend auszufüllenden Formularen, war es schließlich soweit: wir mussten an den berüchtigten Schalter, um unseren Einreisestempel zu holen und das Visum zu bezahlen. Normalerweise kostet das 20$, aber es heißt, die Beamten kassieren gerne mehr, um es in ihre eigene Tasche wandern zu lassen. Und tatsächlich, als es ans Bezahlen ging, hat unser Beamter zusätzlich 100 Thai-Baht verlangt. 100 Baht?? Ne Mann, nicht mit mir!!! Wäre ich frisch aus Deutschland gekommen hätte ich das wahrscheinlich entnervt bezahlt; man bedenke, das sind gerade mal 2€... Aber für mich ist das inzwischen eine erhebliche Summe Geld!!! Außerdem bin ich Schwabe, da wird gespart wos geht...emotion

Auf jeden Fall haben wir uns nicht klein kriegen lassen und auf unseren 20$ bestanden ("we have called the cambodian embassy!!!". Schließlich hat der Beamte eingesehen, dass bei uns nichts zu holen ist und hat uns mürrisch unsere gestempelten Pässe zurückgegeben. Die erste Hürde hatten wir damit genommen.

Die zweite wartete nach dem Grenzübergang auf uns. Unser Plan war am besten ein Taxi nach Siem Reap zu nehmen, wir wollten uns aber nicht von ominösen "Einreisehelfern", die scharenweise an der Grenze herumlungern, übers Ohr hauen lassen. Um einen guten Preis zu bekommen (ca. 40$) und vor allem um tatsächlich in Siem Reap, und nicht irgendwo anders zu landen, machten wir uns mit einem Belgier und einem Ami, die wir am Schalter aufgegabelt hatten, auf die Suche nach einem vertrauenswürdigen Taxifahrer. Als wir schließlich auf einen Parkplatz mit mehr oder weniger offiziellen Taxis kamen, stürmten zig Taxifahrer wie die Geier auf uns zu und quatschten uns alle gleichzeitig voll. "Where you go, where you go? Phnom Phen, Siem Reap?? 60$! Siem Reap, 30$!". Moooooment. Siem Reap 30$? Hatte etwa ein Taxifahrer tatsächlich angeboten uns für 30$ nach Siem Reap zu fahren?? Alle zusammen?? Vier Personen? Wir waren so perplex, dass wir zusagten und gar nicht erst versuchten noch zu verhandeln. Ich war misstrauisch als das Taxi losfuhr, das ging ja zu einfach. Aber ich machte mir umsonst Gedanken. Der Taxifahrer fuhr ohne Umwege und ohne zusätzliche Kosten zu erheben, nach Siem Reap. Ich hatte gelesen, die Straße nach Siem Reap ist eher eine Art breiter Feldweg mit Schlaglöchern so tief wie der Grand Canyon. Aber diese Berichte waren schon ein paar Jahre alt und ich möchte an dieser Stelle das Gerücht der Horrorstraße mal aus der Welt schaffen. Der aktuelle Stand vom 25.5.2009 ist: die Straße von Poipet nach Siem Reap ist durchgehend einwandfrei ausgebaut und mit dem Taxi braucht man nicht mal zwei Stunden für diese Strecke. Es heißt, eine thailändische Fluggesellschaft, die Siem Reap anfliegt, hat der kambodschanischen Regierung jahrelang Schmiergeld zugesteck, um den Ausbau der Strecke zu verzögern. Tja, so läuft das eben in Südostasien...

Vollkommen problemlos sind wir dann nach Siem Reap gekommen. Hmm. Aber wo bleibt denn da das Abenteuer? Kein Scheiß, wir hatten uns wirklich auf einen krassen Trip eingestellt... Naja, wenn man bedenkt, dass eine unerträgliche, stundenlange Busfahrt und zu viel ausgegebenes Geld unser Abenteuer hätte sein können, bin ich ganz froh, dass es so gelaufen ist. Wenn man in solchen Touri-Gegenden in Südostasien unterwegs ist, darf man kein Hollywoodfilm-Abenteuer erwarten. Man erlebt unfreiwillig höchstens das ich-hab-Abzocke-und-ne-Horrorbusfahrt-überlebt-Abenteuer, das man als Abenteuer bezeichnet damit es sich besser anhört. Eigentlich ist es richtig beschissen sowas zu erleben und man sollte es vermeiden. Und mal ehrlich, wer so doof ist und sich in der Khao San Road, wo sich der Abzocker-Abschaum Thailands versammelt, einem Scam Bus nach Siem Reap anschließt, ist selber Schuld. Aber dann bitte keine Horrorgeschichten verbreiten.

Mit einem Tuktuk sind wir dann zu unserer Unterkunft gekommen, wieder mal ein supertolles Guesthouse mit einem affengeilen Frühstück inklusive. Über den "Manager" des Tuktukfahrers (in Kambodscha gibts für alles einen Job...), haben wir dann noch einen privaten Tuktukfahrer für unsere Angkor Wat Tour organisiert.

Am späten Nachmittag gings dann auch schon los: mit der Ein-Tageskarte, wenn sie nach halb Fünf gekauft wird, kann man schon am Vortag einen Sonnenuntergang von dem am höchsten gelegenen Tempel von Angkor bestaunen. Leider hat es, als wir uns an die Erklimmung des Hügels machten, in Strömen geregnet, was das ganze zu einer ziemlich naßen und glitschigen Angelegenheit gemacht hat. Aber ich hatte meine Regenjacke an und der Tuktukfahrer hatte mir vorher noch einen zwar häßlichen, aber sehr nützlichen Regenschirm in die Hand gedrückt. Unten naß, oben trocken sind wir dann an der Tempelruine angekommen. Ich kann gar nicht richtig beschreiben, wie das Ding ausgesehen hat, irgendwas zwischen asiatischem Tempel und Maya-Pyramide. Auf jeden Fall sehr beeindruckend... Beeindruckend war auch unsere Leistung, auf die Spitze des Tempels zu kommen, da wir abgewetzte, glitschige, extrem schmale, aber hohe Stufen hochkraxeln mussten (barfuß, das ist der Trick, dann gehts). Oben angekommen, hatten wir einen gigantischen Ausblick über den uns umgebenden Dschungel und einen Stausee in weiter Ferne. Leider war der Himmel wolkenverhangen, so dass wir einen Sonnenuntergang nur erahnen, aber nicht wirklich sehen konnten. Aber schön wars trotzdem. Beim Zurückfahren wurds dann noch gruselig. Wir sind durch den dämrigen Dschungel gefahren, vom Regen sind rings um uns Nebelschwaden aus dem Wald aufgestiegen und auf einmal hör ich ein echt seltsames Geräusch, wie von einer weit entfernten Kreissäge. Es fängt leise an, wird richtig laut und dann wieder leiser, bis mans nicht mehr hört. Irgendwann haben wir unseren Fahrer nach dem Ursprung des Geräusches gefragt und der hat uns dann erklärt, dass besondere Grillen, die in den Bäumen sitzen, diese Geräusche machen. Immer diese exotischen Viecher...

Abends sind wir dann noch in die Stadt zu Essen gegangen. Wir haben natürlich original Khmer Küche probiert und es war absolut lecker! Ich weiß, ich wiederhol mich in meinen Beschreibungen bezüglich des Essens, aber es kommt immer wieder was, das genauso gut schmeckt. Auf jeden Fall, das war unter anderem ein Gericht, das sich AMOK nennt (falls ihr jetzt an Amoklauf denkt, man spricht es A MÓK, mit Betonung auf O; ich weiß ganz genau, dass ihr jetzt grad alle gedacht habt: hihi, die hat was gegessen, das Amok heißt...emotion). Und ich hab sogar das Rezept...

Anschließend sind wir noch auf den Nachmarkt, ein schöner, gechillter Markt auf dem ich ein paar nette Souvenirs gekauft hab. Muss auch mal sein. (Gell, Marina;-)

Am nächsten Tag gings dann nach einem, wie schon gesagt, affengeilen Frühstück los Richtung Angkor Wat. Angkor Wat ist übrigens nur der größte und berühmteste Tempel, alles andere gehört nicht zu Angkor Wat, sondern zu Angkor Thom, der "großen Stadt". Welcher Anblick uns dann in Angkor Wat erwartet hat, könnt ihr euch vielleicht vorstellen, immerhin ist dieser Anblick welberühmt und millionenfach auf Fotos festgehalten. Wie gesagt, es ist schwer zu beschreiben, was ich gesehen habe, drum hoff ich, dass ich euch bald die Fotos ins Studivz stellen kann. Und wenn ich wieder daheim bin, mach ich nen Diavortrag über die Geschichte und andere Infos über Angkor (d.h. ich les aus meinem Lonely Planet voremotion).

Nachdem wir eineinhalb Stunden durch die riesige Tempelanlage gewandert sind, gings weiter zum Bayon, das von einem anderen König erbaut worden lassen ist und deshalb einen anderen Stil als Angkor Wat hat. Von jedem "Turm" aus schauen riesige Gesichter in alle vier Himmelsrichtungen. Was der König wohl damit bezwecken wollte? Dass sich die Gläubigen ständig beobachtet fühlen? Wer weiß...

Mein persönliches Highlight war schließlich Ta Prohm, eine ruinöse Tempelanlage mitten im Dschungel. Hier hat sich die Natur wieder zurückerobert, was sich die Menschen dort vor über eintausend Jahren genommen haben. Halb zerfallene, von Moos überwachsene Säulengänge, von Bäumen überwucherte und von Wurzeln gesprengte Mauern schaffen einen fantastischen Anblick. Mit einer typischen Urwald-Geräuschkulisse fühlt man sich dann tatsächlich wie ein Entdecker... wenn man die japanischen und chinesischen Tourigruppen, die einem unglücklicherweise immer wieder über den Weg laufen, ausblenden kann (die wollten Fotos mit mir!!! Da kam einer her, hat sich neben mich gestellt und ein Foto gemacht! Und auf einmal war ich von so kleinen, wuselnden Chinesen umgeben, die alle ein Foto mit mir gemacht haben! Das war so schlimm! Ich hab mich gefühlt wie im Zoo. Ui, guck mal, n Europäer!!). Hier war übrigens auch die Location zum Film Tomb Raider...

Nach gefühlten tausend Tempeln und mind. 3 Litern Flüßigkeitsverlust sind wir dann Abends glücklich, aber total geschafft wieder im Guesthouse angekommen. Nach einer kleinen Pause sind wir in die Stadt und haben den Abend in einem Restaurant, wo es noch eine traditionelle khmer Tanzaufführung zur Unterhaltung gab, ausklingen lassen.

Am nächsten Tag gings auch schon wieder heim, im Bus, und auch hier muss ich sagen: die Busfahrt ist nicht annähernd so schlimm, wie es immer heißt. Sie ist sogar sehr angenehm, find ich zumindest, weil ich noch viel von der Landschaft gesehen habe. Kambodscha ist ein wunderschönes Land, ähnlich wie Thailand, nur etwas, naja weitläufiger und vielleicht ursprünglicher. Klar, Kambodscha ist wegen seiner blutigen Vergangenheit entwicklungstechnisch ziemlich zurückgeworfen und um einiges Ärmer, das merkt man auch (die Händler versuchen viel hartnäckiger als in Thailand einem Ramsch anzudrehen). Aber ich empfehle jedem, sobald wie möglich nach Kambodscha zu kommen, dann erlebt man noch dieses Ursprüngliche. Denn ich denke, Kambodscha wird sich rasend schnell entwickeln, hin zu einem Pauschal-Tourismus Land in dem man bequemerweise alles organisiert bekommt und dann dasselbe macht wie jeder andere Tourist... Siem Reap z.B. ist eine reine Touri-Stadt (merkt man an den Preisenemotion). Eine sehr schöne Stadt, aber halt, naja... ihr wisst schon was ich mein...

Wo war ich? Ach ja, die Busfahrt. Also, nicht so schlimm wie gedacht, und für 6$ absolut ok. In einer kleinen Stadt haben wir einen kurzen Zwischenstopp gemacht (warum auch immer). Als ich aus dem Bus ausgestiegen bin, hat mich sofort eine Schar Kinder belagert, die mir Früchte, Baguette und gebratene Heuschrecken andrehen wollten. Mein "uäähh, no thanks" auf letzteres wurde von den Kindern mit einem fetten Grinsen kommentiert. Ich hab mich aber schließlich breitschlagen lassen, eine Tüte Mango zu kaufen. Mei, die Nummer mit den Kindern zieht halt... auch später dann im Bus durften die Kinder noch verkaufen und ein kleines Mädchen hat mich mit großen Augen erweicht einen Bund Litschies zu kaufen.

Das war dann auch schon mein Trip nach Kambodscha. Ein bisschen kurz, aber ich bin froh, dass ich es gemacht hab. Zu wenig Kohle, zu wenig Zeit und Horrorstories aus dem Internet haben mich glücklicherweise nicht davon abgehalten, dieses schöne Land zu bereisen. Dieses Wochenende werd ich sicherlich nicht so schnell vergessen!

24.5.09 21:50

Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen