Under the Sea...

Ich hab mal in mein Lokalsiten-Profil reingeschrieben, dass einen Tauchschein machen zu den fünf Dingen gehört, die ich in meinem Leben unbedingt machen will. Da hab ich allerdings auch reingeschrieben, dass ich meinen eigenen Stadtstaat gründen will, am besten in Herzform. So viel zur Ernsthaftigkeit meines Vorhabens. Damals konnt ich aber auch noch nicht ahnen, dass ich mal in Thailand leben werde, genauer gesagt in Pattaya, wo es an jeder Ecke eine Tauchschule gibt.

 Also dachte ich mir, "hey, jetzt oder nie!" und hab mich kurzerhand für einen dreitägigen Tauchkurs angemeldet. Praktischerweise hatten auch wir in Thailand am 1. Mai frei, weshalb ich das ganze an einem Wochenende durchziehen konnte. So hab ich mich dann am Freitag morgen, zugegeben etwas nervös, auf den Weg zur Tauchschule gemacht, wo mich schon mein Tauchlehrer erwartet hat. Ein supernetter Typ, halb Pole, halb Ungar, der perfekt deutsch konnte. Mit zwei anderen Tauchschülern, einem US Soldaten und einem Iraker (kein Witz!!), gings dann ab zum Trainingsschwimmbad. Von uns dreien hab dann allerdings nur ich den Tauchkurs zuende gemacht. Diese Luschen... naja, wenn man nicht gescheid schwimmen kann, sollt man halt auch keinen Tauchschein machen. Erst mal das Seepferdchenabzeichen...

 Auf jeden Fall, nach ein paar Schwimmübungen und nachdem ich meine Tauchausrüstung angelegt hatte, gings dann auch schon los. Ich bin abgetaucht und konnte atmen!! Ein echt seltsames Gefühl, wenn man den ersten Atemzug unter Wasser macht. Man hört sich dann selber so Darth-Vader-mäßig atmen. Hab dann alles gelernt, was man als Taucher grunsätzlich so beherrschen sollte. Nach dem praktischen Teil im Pool, kam dann allerdings noch der theoretische Teil. Laaangweilig! Aber da musste ich wohl oder übel durch.

Am zweiten Tag gings dann raus aufs Meer. Mit einem Tauchboot sind wir zur ersten Tauchlocation, Hat Nuan, gedüst. Der Wellengang an dem Tag war ziemlich heftig und ich war heilfroh, dass man mir in der Tauchschule noch eine Pille gegen Seekrankheit gegeben hat. Mit auf dem Boot waren noch ein paar andere Taucher, die dann, einer nach dem anderen, ins Wasser gesprungen sind. Als letzte kam dann ich an die Reihe. Ich hab ins schwarze Meer unter mir geschaut und dachte mir noch: "ey, wo is das kristallklare Wasser, das einem die Reiseprospekte immer versprechen?". Aber an dem Tag war nix mit guter Sicht, dazu war das Meer einfach zu aufgewühlt. Ok, nochmal Luft holen und mit einem großen Schritt vorwärts bin ich dann ins Wasser getaucht. Ich hab die Luft aus meinem Jacket gelassen und bin langsam abgetaucht. Zur Hilfe war ein Seil am Boot angebracht, an dem wir uns nach unten "hangeln" konnten, auf ca. 8m Tiefe. Als ich schon ungefähr 2m abgetaucht war, hab ich hinuntergeschaut und das Seil in schwarz-grüner Tiefe verschwinden sehen. Die Sicht an dem Tag war echt mehr als beschissen. Den Grund konnte ich erst sehen als ich 2m drüber war und dann gabs gleich die nächste Überraschung. Der Boden unter mir war übersäht von riesigen, schwarzen Seeigeln und ich bin unaufhaltsam tiefer gesunken!! Schnell was tun!! Ich hatte doch da irgendwas mit Luft ins Jacket lassen gelernt, nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig, wegen dingsbums, Komprimierung , und irgendwas mit Atmung, Tarierung??, und Druckausgleich nicht vergessen... echt, in dem Moment is mir dann nix bessere eingefallen, als wild mit Armen und Beinen zu paddeln, um nicht aufgespießt zu werden. Mein Tauchlehrer hat mir dann die richtige Menge Luft ins Jacket gelassen, so dass ich dann, zwar noch etwas wackelig, aber sicher über stachelige Meeresbewohner und scharfkantige Korallen hinwegschweben konnte. Nachdem mein Adrenalinspiegel wieder gesunken war, wurde ich entspannter und konnte meine Umgebung betrachten. Ich hab leider nicht weiter als höchstens drei Meter gesehen, war aber totzdem cool. Ich kann zwar nicht genau benennen, was ich gesehen habe, aber so viel kann ich sagen: es waren Fische. Dazu Korallen, bunte Anemonen und eben die Seeigel, die mich mit ihrem lila-blauen Auge von unten herauf angestarrt haben. Die meiste Zeit des Tauchgangs hab ich damit verbracht Übungen zu machen, es war ja auch Unterricht.

Die Sicht beim zweiten Tauchgang war noch schlechter, aber immerhin hab ich da eine Schildkröte gesehen. Die war riesig!! Die ist einfach nur am Meeresboden geschwebt und hat sich nicht bewegt, nicht mal als ihr drei Taucher auf die Pelle gerückt sind. Als ich über ihr hinweggeschwommen bin, hat sie mir mit großen, dunklen Augen nachgestarrt...

 Am zweiten Tauchtag war das Wetter und somit die Sicht unter Wasser um einiges besser. Lag wahrscheinlich auch daran, dass wir zu einer Tauchlocation gefahren sind, die weiter weg von dem dreckigen Pattaya lag. Mit einem zum Tauchboot umgebauten Fischerboot sind wir zur Insel Ko Rinn getuckert. Und endlich hatte ich mein kristallklares Wasser: bevor ich in die Tiefe gesprungen bin, konnte ich tatsächlich den felsigen Grund sehen. An diesem Tag war ich allein mit meinem Tauchlehrer, weil meine Kollegen ja, wie schon gesagt, aufgegeben hatten. So konnte ich meine Pflichtübungen, wie z.B. Maske unter Wasser ausziehen,  Notaufstieg und Navigieren, schnell und ungestört durchziehen, so dass ich und mein Tauchlehrer schnell zum spaßigen Teil übergehen konnten: einfach nur tauchen. Auch das mit der Tarierung hatte ich inzwischen ganz gut drauf (? >fragt Lisa...;-), so dass ich mich voll und ganz auf meine Umgebung konzentrieren konnte. Wieder hab ich bunte Anemonen, die, wenn man sie berührt, zusammenzucken oder ihre Farbe wechseln, gesehen. Kugelfische und... andere Fische sind an mir vorbei geschwommen und auch eine Schildkröte ist langsam vor mir vorbei gezogen. Man wird irgendwie ganz ruhig und entspannt, wenn man so langsam dahin schwimmt und das alles sieht...

Zwei solcher Tauchgänge hab ich an diesem Tag gemacht, beide Male auf ca. 15m Tiefe. Dazwischen gabs als Verpflegung leckeres, thailändisches Essen, in der Bordküche frisch zubereitet. Und ich hab fest zugelangt, denn Tauchen ist, wie ich finde, echt anstrengend und macht verdammt hungrig. Allein schon sich aus dem Wasser aufs Boot zu hiefen ist ein echter Kraftakt, weil der vollgesogene Tauchanzug und die Ausrüstung Tonnen wiegen!! Gefühlt zumindest...

 Am Ende des Tages hatte ich dann endlich meinen Open Water PADI Tauchschein. Ein tolles Gefühl! Ein Punkt auf meiner Lebenstraum-Liste ist damit tatsächlich schon abgehackt. Vielleicht klappt das mit dem eigenen Stadtstaat ja doch noch...emotion

31.5.09 13:42

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