Kanchanaburi

Dank eines buddhistischen Feiertages hatten wir im Mai gleich nochmal ein verlängertes Wochenende, das wir natürlich nicht ungenutzt lassen konnten. Da sich für drei Tage allerdings keine lange Reise gelohnt hätte, haben wir uns dazu entschlossen das relativ nahe gelegene Kanchanaburi im Nordwesten Thailands zu besuchen. Der Name Kanchanaburi sagt euch jetzt vielleicht nichts, aber vielleicht kennt ihr ja das Buch bzw. den Film „die Brücke am Kwai“, dessen Handlung an genau diesem Ort stattfindet. Da ich den Film vor langer Zeit mal gesehen hatte (bzw. halb, bin eingschlafen, was nicht unbedingt für die Qualität des Films spricht), wusste ich, dass dieses Gebiet im zweiten Weltkrieg eine wichtige Rolle in Asien gespielt hat. Obwohl ich nicht besonders scharf darauf war irgendwelche Museen und Kriegsdenkmäler abzuklappern (hab schon genug gesehen), war ich doch neugierig darauf mehr über die südostasiatische Beteiligung am zweiten Weltkrieg zu erfahren. Aber mehr dazu später, denn Kanchanaburi ist nicht nur berühmt für seine Geschichte, sondern auch für einige wunderschöne Nationalparks in der Nähe…

Das war für uns der größte Reiz, da wir endlich wieder mal dem hektischen, lauten Pattaya entfliehen und stille Natur genießen wollten. Der ganze Nordwesten Thailands ist bergig und noch von Dschungel bewachsen und weniger erschlossen als andere Touristengebiete, da es direkt an der Grenze zum militärregierten Myanmar liegt.

So war dann auch unsere Unterkunft in Kanchanaburi ein einfacher, aber schöner Bungalow direkt am Fluss Kwai. Da es viel zu sehen gab, wir aber wie immer nur sehr wenig Zeit hatten, haben wir schließlich eine Ein-Tages-Sightseeingtour gebucht, die so alles beinhaltet hat, was man in Kanchanburi mal gesehen haben muss. So richtig begeistert war ich davon ja nicht, weil ich lieber was auf eigene Faust unternehme, als mich mit zig anderen Touristen nach minutiösem Zeitplan von einer Attraktion zur nächsten karren zu lassen. Meine Stimmung hat dann ihren Tiefpunkt erreicht, als ich im Minivan unsere „Mitreisenden“ kennengelernt habe: zwei alte, nervige, überdrehete Säcke mit ihren Ladyboys. Wir konnten Pattaya einfach nicht entkommen…

Es waren glücklicherweise aber noch zwei Backpacker dabei, die das Niveau der Gruppe wieder auf ein erträgliches Maß gesteigert haben. Und als wir auf dem Weg zur ersten Station, einem Nationalpark, durch unglaublich schöne Landschaften gefahren sind, hat sich meine Stimmung dann auch wieder aufgehellt. Der Nationalpark, in den wir gefahren sind, ist berühmt für einen 7 stufigen Wasserfall, dem Erawan-Wasserfall, angeblich der schönste in Südostasien. Um uns den ganzen Wasserfall anschauen zu können, haben wir dann drei Stunden „Freigang“ bekommen. Das war eine gute Gelegenheit um die Rentner und ihre Spielgefährten abzuhängen. Also sind wir zügig Richtung Stufe 1 losmarschiert. Die erste Stufe ist wohl das größte Becken und am bequemsten zu erreichen, weshalb sich dort schon am Morgen viele Thais tummelten um zu baden. Also gings weiter zur nächsten Stufe, von da an bergauf, immer am Flusslauf entlang. Je weiter wir gelaufen sind, desto dichter wurde der Dschungel und es waren immer weniger Leute zu sehen. Sogar zwei Affen haben sich in den Bäumen blicken lassen. Obwohl jede Stufe und jedes kleine Zwischenbecken zum Rasten und Schwimmen eingeladen hat, sind wir ca. eineinhalb Stunden bergauf gewandert, um die fünfte Stufe zu erreichen. Und hier hab ich mein persönliches Dschungel-Badeparadies gefunden. Die fünfte Stufe besteht aus zwei großen Becken und mehreren Zwischenbecken, die versetzt am Hang liegen. Kaum angekommen, hab ich mich dann auch schon ins kühle Nass gestürzt und angefangen die vielen kleinen Becken zu erkunden. In einem etwas tiefern Becken hat mich dann auf einmal etwas in den Fuß gezwickt, woraufhin ich natürlich erstmal einen riesen Schrei losgelassen hab (peinlich…. Achja, das hatte ich vergessen: in fast allen Becken gibt es „Massagefische“, kleine Fische, die an der Hautoberfläche knabbern. Naja, „klein“. Die Fische im fünften Becken waren tatsächlich klein, so groß wie mein Daumen, aber ich hab in den unteren Becken Fische gesehen, die in etwa so groß wie mein Arm waren…

Auf jeden Fall hatte mich das kleine Mistvieh genau in eine offene Wunde an meinem Fuß gebissen und weil sich das für mich nicht gerade nach Massage angefühlt hat, hab ich mich schleunigst daran gemacht, ins nächste Becken zu kommen. Dazu musste ich meinen Hintern allerdings erst mal auf einen versteinerten Baumstamm hiefen, der quasi den Rand des höher gelegenen Beckens gebildet hat. Die Mühe hat sich aber gelohnt, denn das kleine Zwischenbecken, durch das beständig Wasser floss, war vollkommen fischfrei. Praktischerweise war im Boden des flachen Steinbeckens eine Kuhle, in die eben erwähnter Hintern formgenau reinpasste, so dass ich entspannt im strömenden Wasser fläzen konnte. Über mir spannte sich ein Blätterdach auf, dass von der Sonne smaragdgrün erleuchtet wurde und zu hören waren nur Wassergeplätscher und exotische Urwald-Geräusche...

Irgendwann wurde es dann aber Zeit wieder zu unserer Reisegruppe zurückzukehren, um uns auf den Weg zur nächsten Sehenswürdigkeit zu machen: dem Hellfire Pass und dem dazugehörigen Museum. So. Und jetzt ne kleine Geschichtsstunde: während des Zweiten Weltkriegs haben japanische Besatzer dort alliierte Kriegsgefangene (hauptsächlich Australier, Engländer und Niederländer) sowie Zwangsarbeiter aus ganz Südostasien dazu gezwungen, eine Eisenbahn entlang der Invasionslinie nach Myanmar zu bauen. Diese Eisenbahnlinie wird heute nur noch "Death Railway", Todesbahn, gennant, weil tausende Gefangene infolge der brutalen Behandlung durch die Besatzer starben. Mit einfachsten Werkzeugen, Hammer und Meisel, mussten die Arbeiter Einschnitte in die bergige Landschaft schaffen, um die Schienen verlegen zu können. Der berühmteste Einschnitt ist der 110m lange Hellfire Pass. Dort mussten die Gefangenen in Schichten rund um die Uhr schufften und weil nachts das Feuer der Fackeln, das Schatten der Arbeiter an die Felswände warf, an das Höllenfeuer erinnerte, erhielt der Pass eben diesen Namen. Die meisten der Gefangenen, die an diesem Abschnitt arbeiteten, sind dabei gestorben. Als ich durch den Pass gelaufen bin, konnte ich mir nicht vorstellen, was für eine Hölle das gewesen sein muss. Schon das langsame Durchschlendern hat mich fertig gemacht, weil es wieder mal schätzungsweise 40° hatte. Und als ich die meterhohen Felswände hochgeschaut hab, konnte ich mir auch nicht vorstellen, dass sich diese Menschen tatsächlich eigenhändig durch einen so mächtigen Felsen gegraben haben...

Schließlich kamen wir zum letzten Teil der Tour, die mit einer Fahrt in der "Death Railway" endete. Von der Bahn aus, die sich auf hohen Schienen an Felswänden entlang schlängelt, hat man einen super Blick auf den Fluß, aber ich würd mal sagen, das klapprige Ding trägt auch heute noch seinen Namen zu Recht. Oh moment, das war gar nicht der letzte Teil! Wir haben im Anschluss dann noch DIE Brücke angeschaut, aber war, naja, war halt ne Brücke... die is ja auch nur so berühmt, weil Pierre Boulle ihr mal einen ganzen Roman gewidmet hat;-)

Abends haben wir uns dann noch mit den zwei Backpackern, die wir kennen gelernt hatten, zum Essen getroffen. Auf dem Weg zu Treffpunkt, haben wir noch einen kleinen Abstecher in ein chilliges Internet-Café gemacht. Und das war ein Glücksttreffer, denn der Betreiber, ein sympathischer Thai namens Day, hat uns eingeladen, denn restlichen Abend dann noch mit ihm und seinen Freunden zu verbringen. So haben wir dann den Abend in einer lustigen, Thai-Europäisch gemixten Runde in einer Bar mit Live-Band verbracht. Und weil Day nicht nur Betreiber eines Internet-Cafés ist, sondern freiberuflich ab und zu auch mal als Touri-Führer arbeitet, hab ich für den nächsten Tag gleich mal die nächste Sightseeing-Tour klar gemacht.

Und endlich hatte ich, was ich wollte: keine pauschal Touristen-Tour, sondern einen kleinen Ausflug mit einem Local auf seinem Roller! Besser geht's nicht! Wir sind dann raus aus der Stadt und einfach mal Richtung Pampa gefahren, dabei aber immer den Fluß im Blick, der sich immer mehr zu einem riesigen See ausgeweitet hat. An einem Bergtempel haben wir schließlich Halt gemacht und "Berg" heißt leider immer auch: Treppen steigen. Aber was für Treppen! Den ganzen Berg hoch hat sich ein riesiger Drache geschlängelt und um hinaufzugelangen, musste man durch das Maul des Drachen und durch seinen Bauch steigen. Das soll angeblich Glück bringen. Verschwitzt und hoffentlich glücklich sind wir dann in der Höhle, in der ein riesiger Buddha stand, angekommen. Um einen Ausblick über Kanchanaburi und Umgebung zu haben, sind wir noch ein paar Treppen höher gestiegen, wobei ich mir saftig die Füße an einigen von der Sonne erhitzten Metalstufen verbrannt habe (im Tempelinneren muss man ja auch immer barfuß rumlaufen...). Weiter gings dann zu einem anderen Tempel, der so riesig war, dass man ihn und den im Tempel thronenden goldenen Buddha schon von weitem sehen konnte. Dort raufzulaufen haben wir uns dann aber erspart...

Day hat mir dann noch seine zwei Lieblingsplätze gezeigt, zuerst eine Art Staudamm, wo er immer Fischen geht, und schließlich noch das Strandbad an dem gestauten See, wo sich die Locals treffen, um zu baden und Spaß zu haben. Hat mich so ein bisschen an den schönen Bodensee erinnert...;-)

Leider war die Zeit, die ich für den Ausflug hatte, schon vorbei, da wir uns auf den Heimweg nach Pattaya machen mussten. Blöd, dass ich so wenig Zeit hatte. Ich wäre gern noch ein bisschen in dieser Gegend herumgereist, Richtung Grenze, wo man als Backpacker noch unberührte Natur, entlegene Dörfe und weitere paradiesische Wasserfälle im Dschungel entdecken kann.

Vielleicht ein anderes Mal...

20.6.09 20:52

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