Hongkong und Macau

Nachdem mein letzter Visa-Trip nach Kambodscha schon einige Monate zurücklag, wurde es mal wieder Zeit, aus Thailand auszureisen und sich einen weiteren Stempel in meinen Pass zu holen. Also warum nicht ins nur wenige Flugstunden entfernte Hongkong reisen und ein bisschen chinesische Luft schnuppern (obwohl es ja nicht die beste Luft dort sein sollemotion)?

 

Da die Kosten für den Flug nach Hongkong mein Reisebudget aber gesprengt hätten, haben ich und meine Reisebegleitung Minh uns für einen billigeren Flug auf die kleine (Halb-)Insel (??) Macao entschieden, von der aus man mit der Fähre problemlos nach Hongkong kommt.

Zur Info: Macao und Hongkong sind ehemalige portugiesische bzw. britische Kolonien und wurden in den 90er Jahren unter dem Motto „ein Land, zwei Systeme“ wieder in die Volksrepublik China eingegliedert. Beide Gebiete wurden zu autonomen Sonderverwaltungszonen erklärt, in denen ein demokratisch marktwirtschaftliches System herrscht. Das heißt zugegebenermaßen, dass Hongkong und Macao nicht typisch chinesisch, sondern schon sehr westlich beeinflusst sind. Naja, aber vielleicht wäre mir das „echte“ China zum Backpacken ein bisschen zu krass gewesen (hab schon viele Geschichten gehört&hellip. Da ist ein Städtetrip in eine chinesische Metropole, in der Englisch zweite Amtssprache ist, doch ein bisschen unkomplizierter. China für Anfänger sozusagenemotion

 

Macao

 

So hab ich dann in Macao zum ersten Mal (quasi-) chinesischen Boden betreten. Neben dem ungewöhnlichen Mix aus portugiesischer und chinesischer Kultur, wirbt Macao noch mit einer weiteren Attraktion: Macao ist mit seinen vielen Casinos ein absolutes Spielerparadies, also das Las Vegas Chinas. Naja, eher ein schwacher Las-Vegas-Abklatsch. Die in der Stadt verstreuten, kitschig aussehenden Casinos haben mich weder beeindruckt noch dazu veranlasst reinzugehen und zu zocken….

Interessant fand ich dann aber tatsächlich den portugiesischen Einfluss. Die mit maritimen Symbolen (Anker, Muschel, Krebs) bepflasterten Gehwege, die kolonialen Häuser sowie die Überreste einer alten Kirche schaffen ein mediterranes Flair, das aber durch chinesische Reklameschilder, Marktstände und Läden seltsam ergänzt wird. Ausgehungert und etwas überfordert vom portugiesisch-chinesischen Kulturen-Wirrwarr sind wir dann in einen japanischen Imbiss geflüchtet und haben uns eine leckere Nudelsuppe reingezogen (wortwörtlich;-). Auch abends haben wir weiteres kulturelles Sightseeing-Programm sausen lassen und sind ins Kino gegangen, um uns den neuen Harry Potter Film anzuschauen. Aber das war das erste und letzte Mal, dass ich in China ins Kino gegangen bin! Wir saßen auf unbequemen Sitzen in einem riesigen, voll besetzen Saal, der mehr an ein Theater als an ein Kino erinnerte (und dazu noch, wie überall in Asien, auf unangenehme Temperaturen heruntergekühlt war). Schlimmer war allerdings das Publikum. Offensichtlich ist es für die Chinesen normal ihr Abendessen im Kino einzunehmen und so wurde die Geräuschkulisse des Films in der ersten halbe Stunde akustisch mit lauten Schmatz-Geräuschen, Tüten-Geknister und Rülpsern ergänzt. Begleitet wurde das ganze von einem eklig säuerlichen Geruch der entweder vom Essen selbst oder von den Ausdünstungen des Publikums stammte. Widerlich und absolut nervig! Aber gut, wieder was gelernt…

Résumé von Macao: Mag sein, dass Macao für asiatische Touristen wegen des europäisch-mediterranen Flairs etwas Besonderes ist, aber für mich als Europäerin ist es nicht wirklich spannend. Insgesamt hat Macao auf mich irgendwie künstlich gewirkt. Als hätte sich der Architekt vom Europa-Park dort ausgetobt…

 

Hongkong

 

So war ich dann ganz froh, als ich nach einer ca. einstündigen Fahrt mit der Fähre in Hongkong angekommen bin. Wow, was für ein Anblick! Ich war schon von den Hochhäusern an diesem kleinen Hafen begeistert, dabei hatte ich die richtige Skyline, für die Hongkong so berühmt ist, noch gar nicht gesehen! (ja, ja… Dorfkind;-). Denn Hongkong besteht aus zwei Teilen, einem Teil Festland (Kowloon) und der Insel Hongkong Island. An den beiden sich gegenüberliegenden Ufern befinden sich riesige Wolkenkratzer, so dass Hongkong gleich mit zwei  gigantischen Skylines aufwarten kann. Nachdem wir in unserem Hostel auf dem Festland eingecheckt hatten, bin ich gleich mal nach Hongkong Island gefahren (mit der Metro), um dort ein bisschen herumzulaufen. Ich hatte Sightseeing-mäßig nicht wirklich etwas geplant, aber wie es halt so ist, wenn man kein bestimmtes Ziel hat und verplant rumläuft, hab ich die ein oder andere Sehenswürdigkeit ganz zufällig entdeckt. Zwischen den Wolkenkratzern hab ich dann auch einen wunderschönen tropischen Park entdeckt, in dem es eine riesige begehbare Vogelvoliere gab. Weil ich aber irgendwann ziemlich geschafft vom Rumlaufen und auch von der Hitze war, hab ich mich in einen Bus gesetzt und bin Richtung Stanley, einem Stadtteil auf der „Rückseite“ der Insel gefahren. Die Fahrt über die bergige Insel war der Hammer und ich kann jedem empfehlen das auch zu machen. Ich saß ganz vorne im oberen Teil des Doppeldecker-Busses und hatte somit einen super Ausblick. Die Straße schlängelt sich anfangs einen steilen Berg hinauf, wobei man einen atemberaubenden Blick auf ein Tal hat, aus dem die Hochhäuser wie gigantische Bäume wachsen. Hinter dem Berg wird das ganze ein bisschen ländlicher, es sind nur ein paar Hotels und Wohnsiedlungen zu sehen. Bald tauchen das Meer und die Küste im Blickfeld auf und Endstation ist schließlich Stanley, ein ruhiges Dörfchen an einem schmalen Strand. Dort bin ich dann ein bisschen herumgeschlendert und bei Einbruch der Dämmerung wieder zurück in die Stadt gefahren, um mir ein weiteres Highlight von Hongkong, die allabendliche Licht- und Lasershow „Symphony of Lights“ anzuschauen. Während dieser Show werden einige der Skyscrapers am Festland- und am Inselufer ausgeleuchtet und mit Lasern bestrahlt. Da man von der Fähre aus beide Ufer sehen kann und ich sowieso wieder rüber musste, habe ich die Show also von der Fähre aus beobachtet. Da ich keine Uhr anhatte, war ich mir nicht ganz sicher, ob die Show schon angefangen hatte… es haben ein paar der Gebäude bunt geblinkt und es waren auch ein paar Laserstrahlen zu sehen, aber irgendwie hatte ich es mir beeindruckender vorgestellt. Vielleicht war das ja erst das Vorprogramm?? Aber nein, war es nicht, nach 10 Minuten war Schluss. Sorry, aber da hat sogar das Melo in Kaufbeuren eine bessere Lasershow…emotion Trotzdem, auch ohne psychodelisches Geblinke ist die nächtliche Skyline von Hongkong ein echtes Highlight.

Am nächsten Tag bin ich auf eine kleine Nachbarinsel gefahren, Lantau Island, um mir den „Big Buddha“, eine riesige Buddhafigur auf einem Berg, anzusehen. Um auf diesen Berg zu kommen, gibt es zwei Möglichkeiten: man kann den Bus nehmen oder die Seilbahn. Obwohl mich der Preis und die lange Warteschlange abgeschreckt haben, hab ich dann doch die Seilbahn genommen. Mein Motto: Nutz die Gelegenheit! Bist ja (wahrscheinlich) nur einmal hier! Außerdem find ich Seilbahnfahren toll emotion Und es hat sich gelohnt! Ich wurde mit einem  sagenhaften Blick auf vernebelte Berghänge belohnt. Angekommen bin ich dann in einem Dorf, das allein für touristische Zwecke gebaut wurde. In diesem Fall mal was Gutes, da dort eine äh… traditionelle chinesische Trommel-Show stattgefunden hat (keine Ahnung wie man das nennt, ihr wisst was ich mein&hellip. Fand ich cool! Zum Big Buddha war es dann nur noch ein kurzer, aber recht steiler Weg (viele Stufen&hellip. Echt ein riesen Ding! Anfangs war es ziemlich neblig, so dass man den Kopf des Buddhas nicht mehr sehen konnte. Nach ein paar Minuten wurde die Luft aber klarer und der auf einer Loutsblüte sitzende Buddha war vollständig zu sehen. Heim bin ich dann übrigens mit dem Bus gefahren; der Fahrer rast zwar wie ein Irrer den Berg runter, aber es ist eine sehenswerte Strecke. Abends bin ich mit einem weiteren Touristen-Beförderungsmittel, der Peak Tram, zum höchsten Punkt auf HK Island gefahren. Das besondere an der Peak Tram ist, dass sie ihre Passagiere in extrem steilen Winkel den Berg hoch befördert (und dass das Ding seit hundert Jahren in Betrieb ist und immer noch funktioniert;-). Oben angekommen, hatte ich wieder einmal einen tollen Ausblick auf die leuchtende Mega-Metropole. Tja, was soll ich sagen? Muss man mal gesehen haben…

Am nächsten Tag hatte ich tatsächlich noch ein Ziel: ich wollte unbedingt in einen der berühmten Tempel, in denen riesige Räucherspiralen hängen, sehen. Und wie das so ist, wenn man was sucht: man findet’s nicht! Zumindest nicht ohne eine Odyssee hinter sich zu bringen. In meinem Fall eine Odyssee durch Einkaufszentren. Denn in diesem Stadtteil von HK Island sucht man vergeblich nach Fußgänger-Überwegen, man muss vielmehr durch zig Einkaufszentren latschen, die durch Überführungen miteinander verbunden sind. In den Einkaufszentren sind tatsächlich Wegweiser, aber sehr unregelmäßig, weshalb ich wohl einige Umwege gelaufen bin. Schließlich bin ich aber in dem Viertel angekommen, wo sich irgendwo der kleine Tempel befinden sollte. Weils mir dann zu doof war, noch ewig rumzusuchen, habe ich eine Händlerin nach dem Man Mo Tempel gefragt.  Die hat mir dann freundlicherweise gleich so was wie eine Karte gezeichnet, ohne die ich den winzigen Tempel wohl nie gefunden hätte. Ich musste versteckte Treppen rauf, durch irgendwelche Hinterhöfe, Seitengassen und dann… immer der Nase nach. Denn die Räucherspiralen konnte man schon von weitem riechen. Irgendwie komm ich halt doch immer ans Zielemotion. Leider wurde es dann auch schon wieder Zeit mich auf den Rückweg nach Macao zu machen, mein Flieger zurück nach Bangkok ging ja von dort aus. Hab noch einen kleinen Abstecher zum Jade-Markt gemacht, bevor ich meine Sachen gepackt und wieder per Fähre zum Flughafen in Macao gefahren bin. Die Heimreise ist dann, abgesehen von der 2-stündigen Verspätung meines Flugs, problemlos verlaufen. Joa, das wars dann auch schon, von meinem China-Trip!

 

15.8.09 15:57

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