Goodbye Thailand

Heute ist mein letzter Tag in Thailand. Ich war genau 6 Monate und 8 Tage hier und ich kann nicht glauben, dass die Zeit so schnell vergangen ist. Aber sagt man nicht, man soll gehen, wenn’s am schönsten ist? Zugegeben, das Wetter in den letzten Tagen war nicht besonders toll, der Monsun hatte noch einmal richtig zugelegt. Trotzdem, nach einem halben Jahr hat man sich doch dann schon so an das neue Leben gewöhnt, dass es schwer fällt, davon Abschied zu nehmen. Denn nicht nur, dass ich mich in Pattaya immer heimischer fühle, auch in meinem Job hatte ich in letzter Zeit das Gefühl, wirklich was zu leisten und nicht nur überflüssige Praktikanten-Jobs zu erledigen.

Leider war mein letzter Tag bei RBTA sehr stressig. Ich hatte bis Feierabend noch ein Meeting und obwohl ich früher gegangen bin, habe ich es nicht mehr geschafft, mich bei allen gebührend zu verabschieden. So hab ich RBTA und meine Kollegen also etwas wehmütig verlassen und bin ein letztes Mal mit dem Van Richtung Pattaya gefahren. Und zur Verabschiedung gab’s noch was auf die Ohren: in der eingebauten Multimedia-Anlage lief nicht, wie sonst immer die gleiche Karaoke-DVD, sondern eine thailändische Comedy-Serie, so laut aufgedreht, dass einem bei jeder Lachsalve fast der Schädel geplatzt ist. Auch so eine Eigenheit der Thailänder. Ein unglaublich ruhiges, zurückhaltendes Volk, aber Musik und der Sound im Kino werden so laut aufgedreht, dass man sich fragt, ob die eigentlich nicht schon alle taub sind. Das werd ich ganz sicher nicht vermissen (ich bin sehr geräuschempfindlich - ich krieg schon die Krise, wenn jemand in meiner Nähe einen Staubsauger anmacht). Und wenn wir schon dabei sind: was ich auch ganz sicher nicht vermissen werde sind die Klimaanlagen. Zugegeben, bei 40° freut man sich schon über eine Klimaanlage im Zimmer, aber an manchen Orten, wie in Bussen, Kinos und Meetingräumen, nehmen die Temperaturen arktische Ausmaße an. In manchen Meetings hätte ich mir ernsthaft eine warme Daunenjacke, eine Wollmütze und einen heißen Tee gewünscht… Kaum zu glauben, aber in Thailand hab ich nicht nur geschwitzt wie nie zuvor in meinem Leben, sondern auch gefroren wie nie zuvor…

Heute ist also mein letzter Tag und deswegen hab ich den ganzen Vormittag damit verbracht, auszumisten, zu packen und zu putzen. Ich musste einiges Wegschmeißen bzw. da lassen (ich durfte ja nur 20 Kilo im Koffer mitnehmen), aber letztendlich habe ich alles wichtige und meine ganzen Souvenirs in den Koffer quetschen können (wenn man sich draufsetzt lässt der sich problemlos zumachen. Nachdem ich das erledigt hatte, konnte ich meine restlichen Stunden in Pattaya noch richtig genießen. Kurz nach zwölf hab ich mich aufgemacht in das Central Festival, ein riesiges Shopping-Center an der Strandpromenade, um dort noch ein bisschen Geld dazulassen. Danach war ich noch eine Runde Sonnenbaden am Strand und hab mich vom Meer verabschiedet. Das Meer… seufz, ja, das werd ich vermissen… Schließlich habe ich mir noch eine letzte Massage gegönnt. Das habe ich in letzter Zeit recht oft gegönnt, man muss die Gelegenheit ja nutzen. Das kleine Spa, in das ich immer gehe, ist auch einfach zu schön… (Blooming Spa – Let’s Relax). Nachdem ich schon klassische Thai-Massagen und Ölmassagen ausprobiert hatte, habe ich mich diesmal wieder für eine Thai Herbal Massage entschieden. Obwohl bei dieser Massage-Technik ziemlich fest zugelangt wird (man hat mich auch öfters gewarnt, keine klassische Thai-Massage zu machen), find ich das doch sehr entspannend. Und absolut witzig. Habt ihr schon mal eine Thai-Massage gemacht? Die ist ein bisschen anders als andere Massagen… man ist nicht halb nackt, sondern hat eine bequeme thailändische Wickelhose und ein pfludriges XXL-Hemd an. Massiert wird dann natürlich vollkommen ohne Öl. Man liegt auf dem Boden auf einer weichen Matratze in einem kleinen, verdunkelten Raum. Dann fängt die thailändische Masseurin erstmal an, die Beine zu bearbeiten. Da wird dann jeder einzelne Muskel, Nerv und jede Sehne gedehnt und weich geknetet. Das ist voller Körpereinsatz für die Masseurin, da sie dafür beide Füße und Hände benutzt. Genauso wird’s dann mit den Armen gemacht. Wenn man dann mal auf dem Bauch liegt, kommt der Rücken dran. Dazu turnt die Masseurin auf Rücken und Pobacken rum, um auch die tiefste Verspannung zu lösen. Ihr Gewicht hat mir erstmal die Luft aus den Lungen gepresst und mein Nach-Luft-Schnappen ist dann irgendwann zu einem Lachen geworden. Ich fand das ganze einfach so witzig! Die Masseurin hat mitgelacht und mich dann gefragt, ob ich es fester will. Nein danke, passt schon… Schließlich muss man sich aufsetzten und dann werden noch ein paar gymnastische Übungen und Verrenkungen gemacht. Ich hab schon geahnt, dass es schmerzhaft werden wird, als ich meine Arme im Nacken verschränken musste, die Masseuse mich von hinten umfasst  und gemeint hatte: „Just relax…“. ZACK, eine 180°-Drehung nach links, noch mal eine nach rechts, und jeder Rückenwirbel hat zweimal laut geknackt. Für einen kurzen Moment habe ich daran gedacht, dass man da ja auch viel kaputt machen kann, aber die Dame hat das absolut richtig gemacht und mein Rücken hat sich danach so gut wie noch nie zuvor angefühlt Zur Thai HERBAL Massage gehören natürlich auch ein paar exotische Kräuter. Die werden in einem dicken Leinen-Beutel gedämpft, den die Masseurin dann auf bestimmte Körperstellen tupft (… haut) und damit über die Haut streicht. Der heiße Beutel macht dann das, was sowieso schon zu Brei geknetet wurde, noch ein bisschen weicher… Entspannung Pur!  Nach der Massage fühlt man sich dann leicht wie eine Feder (oder wie vom Panzer überfahrenemotion).

Ja, zugegeben, die Massage vorher war noch ein bisschen fester, d.h. schmerzhafter als alle zuvor. Die Rambo-Masseurin hätte mir mit Daumen und Zeigefinger wohl jeden Knochen brechen können (mich würde es nicht wundern, wenn der ein oder andere Rückenwirbel angeknacktst ist... aber es fühlt sich noch alles gut an.

Mein letzter Tag also in Thailand, Pattaya. (verdammt, was ist denn schon wieder mit der Schrift los?!) Ach ja... Pattaya, du Sündenpfuhl, Sodom und Gomorrha Thailands. Obwohl ich diese laute, chaotische Stadt mit den unzähligen, unappetitlichen Abschlepp-Bars und massenweise Touristen für den widerlichsten, grässlichsten Ort in Thailand halte, wird sie mir vielleicht ein winzig kleines bisschen fehlen. Immerhin lasse ich dort liebgewonnene Freunde, die Strandpromenade zum Joggen, das Meer, einige wirklich schöne Plätze, ein tolles Wellness-Spa und ein absolut unkompliziertes Leben zurück. Im Nachhinein kommt sie mir vielleicht auch gar nicht mehr so schlimm vor.  Dann ist Pattaya eine bunte, lebendige Stadt in der man viele interessante und aussergewöhnliche Menschen aus aller Welt kennen lernen kann. Menschen, die auf der Suche sind nach… Liebe! Denn wir wollen doch nicht alle westlichen Herren im reifen Alter in die Sextouristen-Schublade stecken, wenn sie mit einer thailändischen Dame (oder auch nicht… an der Hand herumstolzieren. Vielmehr sollte uns klar werden, dass doch viele, die hierherkommen, einfach nur ein bisschen Liebe suchen. Jene einsamen, verwelkten Männer, die im Westen von einer Frau nur noch berührt werden, wenn es die Kranken- oder Altenpflegerin ist, die sich nicht damit abfinden, dass das Leben schon vorbei sein soll, auch nicht damit, dass sie auf ihre alten Tage nicht auch noch Liebe finden sollen… jene dürfen in Pattaya mit genügend Geld und Viagra noch mal jung sein… Pattaya als Vorgeschmack aufs Paradies? Oder jene ungeliebten Außenseiter, „Nerds“, die im Westen nicht einmal bei der betrunkensten Frau landen… jene dürfen in Pattaya eine verliebt mit den Wimpern klimpernde, exotische Schönheit im Arm halten. In Pattaya findet jedes einsame Herz ein bisschen Liebe und Zuneigung. Denn die Menschen hier sind voller Liebe!! Sei es ein 13 jähriges Mädchen, eine 50 jährige, siamesische Schabracke oder ein quirliger Ladyboy. Wie hört sich das an: Pattaya, willkommen in der Stadt der Liebe! Scheiss auf Paris!!! (ja, ich natürlich nichtemotion)

 

So, mein Magen knurrt und ich gehe ein letztes Mal in dem netten Straßenrestaurant nebenan richtig lecker thailändisch essen. Mal sehen, wie mir das Essen daheim wieder schmeckt... wahrscheinlich zu fade...

 

Mein letzter Tag, mein letzter Eintrag. Zumindest was das bloggen über das Leben in Thailand betrifft. Denn back in Europe wartet ja schon das nächste Abenteuer auf mich: ein Austauschsemester in PARIS!! Also, mal schauen, vielleicht  hab ich Zeit mal ein bisschen was über mein Studentenleben in Paris zu schreiben, über das Studium am SciencesPo. (DER französischen Politik-Elite-Uni, uuiiii) und ob ich dann mal französischer Staatspräsident werdemotion Oder Bundeskanzlerin.

 

Na dann, auf Wiedersehn!

 

 

 

 

3.9.09 18:14

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